Robby Wildgruber

Alternative Jugendberatung


Die Alternative Jugendberatung ist keine von vielen neuen Theorien, sie begründete sich vielmehr aus der Praxis des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit mit Jugendlichen, die vielfach aus besonders schwierigen sozialen Verhältnissen kamen. Sie basierte ursprünglich auf den Erkenntnissen des amerik. Arztes Maxwell Maltz, entnommen seinem Buch " Psycho-Cybernetics ". Am Anfang hiess die Alternative Jugendberatung " angewandte Psycho-Kybernetik ". Daraus wurde später die " Alternative Psychologie " , die in den 90er Jahren zur "Alternativen Jugendberatung " wurde.

Zu Beginn gab es noch einige Berichte darüber in der Presse und im Hörfunk. Je ausgereifter die Alternative Jugendberatung, je schwieriger die Jugendproblematik und je ernster die weltpolitische Lage wurde, desto geringer wurde schliesslich die Chance, die Alternative einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, speziell über das Medium Fernsehen.

Die Alternative Jugendberatung wendet sich primär an solche Jugendliche, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen, weil ihnen eine echte geistige Orientierung fehlt, an Jugendliche, die mit ihrer Umwelt nicht zurecht kommen, die sich nicht anpassen bzw. so wie die Erwachsenen werden wollen und die sich in ihrer Verzweiflung und ihrem Gefühl der Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Verlassenheit über kurz oder lang selbst zerstören, indem sie zu Drogen, Alkohol oder anderem greifen oder gar freiwillig aus dem Leben scheiden.

Was die Beratung betrifft, so handelt es sich dabei weder um eine bestimmte therapeutische Methode noch um eine bestimmte Ideologie, sondern um vertrauliche, lockere, ja freundschaftliche Gespräche. Darin geht es um eine veränderte Einstellung zum Leben , deren Ziel es ist, jahrtausendealte geistige Werte, wie sie u.a. in zahllosen philosophischen und auch theologischen Werken niedergelegt sind, und die die Voraussetzungen für eine zivilisierte Menschheit bilden, in die Praxis umzusetzen und zum Bestandteil des alltäglichen Lebens zu machen. Indem dem Jugendlichen so die Möglichkeit gegeben wird, seinen für eine
gesunde Persönlichkeitsentwicklung notwendigen geistigen Bedürfnissen Genüge zu tun, erübrigen sich für den Betreffenden die allseits bekannten -und letztendlich immer frustrierenden - Ersatzbefriedigungen, zu denen auch die Gewaltausübung gehört. Dies ist eine Prävention der besonderen und umfassenden Art.

Die Alternative Jugendberatung bietet dem Jugendlichen die Möglichkeit, die Konfrontation mit der Umwelt zu bestehen, ohne sich anpassen zu müssen, auch wenn seine Sicht der Welt häufig im krassen Gegensatz zur Sicht der Erwachsenen steht. Albert Schweitzer, der in seinem Leben wie sonst nur wenige darum bemüht war, seine Reden auch in Taten umzusetzen, schrieb in seinem Buch " Selbstzeugnisse " u.a. : ´Wenn die Menschen das würden, was sie mit 14 Jahren sind, wie ganz anders wäre diese Welt ! ' Und : ' Im jugendlichen Idealismus erschaut der Mensch die Wahrheit. ' Diese Gedanken versucht die Alternative Jugendberatung in die Praxis umzusetzen, denn dann besteht am ehesten die Chance für eine menschlichere Zukunft, von deren Gestaltung gerade sensible Jugendliche nicht ausgeschlossen werden dürfen. Deren Idealismus und Feinfühligkeit bedeuten mindestens genausoviel wie die Erfahrungen und Sachkenntnisse der Erwachsenen.

Ein Patentrezept bietet die Alternative Jugendberatung nicht, doch möchte sie jene Jugendlichen erreichen, denen Ideale noch etwas bedeuten und die von ihrem Leben mehr erwarten als einen sicheren Arbeitsplatz und die Aussicht auf eine geregelte Altersversorgung. Schon einige wenige Jugendliche, die sich konsequent an den menschlichen Werten wie Aufrichtigkeit, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Mitgefühl und Rücksichtnahme orientieren, sind in der Lage, eine weitreichende Veränderung in absehbarer Zeit herbeizuführen. Es geht darum, ein Gegenmodell zu bilden zu einer von Gewalt, Ungerechtigkeit und Hass erfüllten Welt, um damit das sogenannte " geistige Klima " entscheidend zu beeinflussen.

Was die Praxis der Alternativen Jugendberatung betrifft, so ist die wichtigste Voraussetzung dafür, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wer etwa eine Fremdsprache lehren will, kann dies nur, wenn er sie selbst beherrscht. Ganz ähnlich verhält es sich bei der Vermittlung von menschlichen Werten.

Die Alternative Jugendberatung in allen Einzelheiten erklären zu wollen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Nähere Erläuterungen können bei Interesse gerne gegeben werden. Es existiert auch eine wissenschaftliche Abhandlung darüber, die jedoch für Jugendliche im Allgemeinen weniger gefragt sein dürfte.


 

-Begleitschreiben zur Alternativen Psychologie -

 

Wie in dem beigefügten Text erwähnt, entstand die von unserer leider immer noch nur dreiköpfigen Gruppe begründete Alternative Psychologie aus einer Drogenselbsthilfeinitiative heraus. Bis vor kurzer Zeit nannten wir uns noch "Arbeitsgruppe Psycho-Kybernetik" in Anlehnung an die von M. Maltz 1960 erstmals veröffentlichte gleichnamige therapeutische Methode. Allerdings mußten wir nach dem Versuch eines Briefwechsels feststellen, daß sich unsere Zielvorstellung mit den offensichtlich ausschließlich materiell orientierten des genannten Autoren nicht zur Deckung bringen ließen ( der literarische Stil des zitierten Buches bestätigt diese Annahme eigentlich nur ) , und als wir dann entdeckten, daß in Frankfurt ebenfalls eine Psycho-Kybernetik praktizierende private Einrichtung existiert, deren Vorgehen und ebenfalls ausschließlich kommerziell ausgerichtete Interessen mit unserem Anliegen nicht das geringste gemeinsam haben, entschlossen wir uns zu einer Namensänderung. Warum sich nun dazu die Bezeichnung Alternative Psychologie anbot, ist dem ersten Teil meines Manuskripts zu entnehmen.

 

Einige Worte noch zur Entstehung unserer Arbeitsgruppe. Ich selbst war einige Jahre lang starke Konsumentin aller möglicher Rauschmittel ( Fixen ausgenommen) und befand mich bereits am Rande des körperlichen Ruins, als ich Robby, den Kopf unserer Gruppe, kennenlernte, der es aus eigener Kraft geschafft hatte, seine ebenfalls recht starke Drogenabhängigkeit zu beenden. Ein mehrere Stunden dauerndes sehr intensives Gespräch mit ihm brachte mich dazu, ebenfalls von heute auf morgen mit dem Drogenkonsum aufzuhören. In diesem Gespräch schilderte mir Robby mit einer von mir bis dahin nie erlebten Offenheit seine intimsten Probleme, die ihn zum Rauschmittelkonsum bewogen hatten. Er zeigte mir anhand seiner eigenen Person, daß es möglich ist, aus eigener Kraft aus dem Teufelskreis der Abhängigkeit auszubrechen und dem eigenen Leben wieder einen Sinn zu geben ; der Kernpunkt der Ausführungen war dabei die Wichtigkeit der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit sowie der zwischenmenschlichen Beziehungen. Dies brachte mich dazu, mich selbst wieder lieben zu lernen und mit der schleichenden Selbstzerstörung Schluß zu machen; ich hörte, wie er meine innersten Wünsche nach Menschlichkeit und Wärme  artikulierte und erlebte dadurch eine Aufwertung meines Selbst, die mir den Mut gab, ohne Drogen weiterzuleben und mich wieder mehr um meine Mitmenschen zu kümmern, was ja nicht immer gerade einfach ist ( beides, d.h. ein drogenfreies und ein dem Menschen zugewandtes Leben hängt nach meinen Erfahrungen eng miteinander zusammen). Dies Ganze ist nun schon über 13 Jahre her und Robby konnte inzwischen auch anderen Jugendlichen helfen. Ich selbst bin mittlerweile verheiratet und Mutter eines 5 jährigen Mädchens, studiere seit 4 Jahren an der Frankfurter Uni Psychologie und schreibe z.Zt. an meiner Diplom-Arbeit über die Ursachen des Drogenkonsums bei Jugendlichen. Mein Weg und der Robbys haben sich inzwischen nach langjähriger intensiver Zusammenarbeit etwas voneinander entfernt, was u.a. auf das Konto unserer sehr unterschiedlicher Persönlichkeiten geht. Augenblicklich verstehe ich mich eher als so etwas wie ein externes Mitglied der Gruppe, wobei ich mich allerdings nach wie vor mit den Zielen des Ganzen vollständig identifiziere.

 

Seit über 10 Jahren versuchen wir, mit unserer Sache an die Öffentlichkeit zu kommen ; die zu diesem Zweck geschriebenen Briefe füllen Ordner. Uns geht es gar nicht um den finanziellen Erfolg, sondern lediglich um die Anerkennung unserer Existenz und die Möglichkeit, zu Leuten Kontakt aufzunehmen, die sich vielleicht für unsere Sache interessieren, aber ohne die entsprechende Publizität niemals auf uns aufmerksam werden können. Leider wurde uns dieses Ansinnen, bis auf einige wenige Ausnahmen, bisher verwehrt, und die wenigen Ausnahmen zogen so kleine Kreise, als hätten sie kaum existiert. Zwar bekamen wir auch sehr viele wohlwollende Antworten auf unsere Briefe ...... ......... ,jedoch waren alle diese Reaktionen so gehalten, als seien wir eine viel zu heiße Kartoffel, die man möglichst schnell wieder loswerden müsse. .........................................................................

 

Mit freundlichem Gruß

 

Anlage:

1 Manuskipt

 

 

 

- Alternative Psychologie -                                                                                                                                                                                                                                  Für Für eine menschlichere Zukunft

 

"So`n Hunger auf Wärme!"

Das steht in roter Sprühfarbe auf einer Hauswand in der Nähe  meiner Wohnung. Es ist mehr als ein Graffiti; es ist die  Artikulation eines sehr ernstzunehmenden Zeitsymptoms: Entfremdung. Aus dieser Entfremdung resultieren u.a. Drogenkonsum, Selbstmord, Jugendkriminalität, aber auch ökologische und militärische Selbstvernichtung, denn eine solche Entwicklung ist nur möglich, wenn eine große Mehrheit - und nicht nur die direkt Verantwortlichen - jeden Bezug zu ihrer Umwelt und damit letztlich auch zu sich selbst verloren hat.

 

Wie geht nun die Psychologie mit diesem für sie sicherlich interessanten Phänomen der zwischenmenschlichen Beziehungsarmut um bzw. ist sie selbst nicht schon längst davon betroffen ? Wie ich die Psychologie in meinem bisher 9 Semester währenden Studium erlebt habe, klammert sie einen zentralen Punkt immer wieder aus ihren Betrachtungen aus bzw. zergliedert ihn dermaßen in seine einzelnen Bestandteile, daß eigentlich kaum noch etwas davon übrigbleibt: die Psyche selbst. Diese wird zerstückelt in Wahrnehmungen, Kognitionen, Lernprinzipien, Folgen frühkindlicher Erfahrungen und was die Psychologie sonst noch an Etikettierungen für aktuelle menschliche Probleme bereithält. Da ist die Psychoanalyse noch am mutigsten, indem sie wenigstens dem Kleinkind ein lebensnotwendiges Bedürfnis nach emotionaler Zuwendung gestattet. Auch in ihrem krampfhaft an wissenschaftlicher Objektivität orientierten Vorgehen, aus der die Realität menschlicher Subjektivität - und damit auch die des Psychologen selbst - immer wieder nur zu bereitwillig ausgeklammert wird, trägt sie wohl kaum zur Lösung der aus der mangelnden Anerkennung der Eigenart der menschlichen Psyche und ihrer Bedürfnisse resultierenden Probleme bei. Möglicherweise ist die Psychologie noch eine zu junge Wissenschaft, um den Mut aufzubringen, sich von der streng naturwissenschaftlich-experimentellen zugunsten einer die Spezifität ihres Untersuchungsgegenstandes stärker berücksichtigenden eigenständigen Vorgehensweise zu lösen, doch ist die Frage, ob sie nicht bei ihrer Unterordnung unter ihrer eigenen Fragestellung nicht angemessene Handlungsstrategien das Kind mit dem Bade ausschüttet. Auch scheint es mir, als stelle das starke Bedürfnis nach Objektivierung nichts anderes dar als die wissenschaftliche Rationalisierung heutiger Beziehungsproblematik, mit anderen Worten: der Psychologe - der Theoretiker stärker als der Praktiker - scheint zu versuchen, aus Angst vor Verunsicherung seine eigene Subjektivität und menschliche Unzulänglichkeit aus dem wissenschaftlichen Erkenntnisprozeß auszuklammern. Was die Psychologie von den Naturwissenschaften unterscheidet, ist die Tatsache, daß der Untersuchungsgegenstand nicht vom Untersucher selbst zu trennen ist, und ich denke, diesem Umstand sollte im Interesse der Wahrheitsfindung, sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Psychologie, Rechnung getragen werden, auch wenn man dabei vielleicht den scheinbar festen Boden der Tatsachen unter den Füßen zu verlieren droht.

 

 Dies ist dann auch das Bestreben der Alternativen Psychologie, einem aus der Selbsthilfe ehemaliger Drogenabhängiger entstandener Tätigkeitsbereich, der sich jedoch mittlerweile auch auf andere Arten menschlicher Probleme erstreckt. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei der in seiner entwicklungsbedingten Identitätsfindung allgemein eher vernachlässigte Jugendliche. Die Alternative Psychologie geht davon aus, daß jedem Menschen von Geburt an bereits alle Fähigkeiten und Eigenschaften innewohnen, die ihn zu einem sinnerfüllten Dasein, gewissermaßen als "Krone der Schöpfung" (und nicht als ihr Vernichter) prädestinieren, wobei er jedoch erst in der uneingeschränkten Entfaltung seiner ureigenen Individualität wahre existentielle Befriedigung erlangen kann. Auf dieser Basis ist es ihm dann möglich, ohne sowohl nach außen als auch nach innen gerichtete Aggression innerhalb der menschlichen Gemeinschaft zu leben und deren Zukunft in konstruktiver Weise mitzugestalten.

 

Nun ist es allerdings in unserer heutigen Gesellschaft mit ihrem teils subtilen, aber dennoch sehr gravierenden Konformitätsdruck gerade für einen Heranwachsenden sehr schwierig, sich in seiner Individualtität zu erkennen, diese zu akzeptieren und auszuleben. Zu einer für den Betreffenden wirklich befriedigenden Lösung dieser Individualitätsproblematik kommt es in den seltensten Fällen, auch bei den "Verhaltensunauffälligen" schwelen meist ungelöste, aus der mißglückten Selbstfindung resultierenden Konflikte, die dann eben verzögert, dafür aber plötzlich mit allgemeines Unverständnis auslösender Intensität zum Ausbruch kommen.

 

Die Alternative Psychologie sieht ihre Aufgabe darin, besonders den durch ihr geringes Alter oder sonstwie Benachteiligten Mut zu geben, sich in ihrer individuellen Eigenart zu erkennen und diese zu entfalten, wodurch z.B. Drogen oder andere Möglichkeiten der Ersatzbefriedigung überflüssig werden, Dies geschieht in erster Linie durch das sehr persönliche Gespräch, in dem beide Gesprächspartner als gleichberechtigt gelten, was sich u.a. darin äußert, daß auch der "Therapeut" nicht davor zurückschreckt, sein eigenes Ich ohne Unschweife in seiner ganzen Verletzlichkeit und Unzulänglichkeit preiszugeben. Mit welchem Grad an Aktivität des Gespräch von seiten des "Therapeuten" verläuft, hängt dabei einzig und alleine von der Gesprächssituation bzw. der Persönlichkeit des Gegenüber ab.

 

Zur Ausübung der Alternativen Psychologie bedarf es keiner besonderen Ausbildung universitärer Qualifikation, einzige Voraussetzung ist die Bereitschaft, die Probleme anderer als ebenso wichtig wie die eigenen anzusehen und sich damit ebenso konsequent und ernsthaft auseinanderzusetzen. Gewissermaßen als "technische Erleichterung" fungieren dabei die Grundlagen der "Psycho-Kybernetik", so wie sie von M. Maltz in seinem Buch (1) dargestellt werden. Diese Anwendung des kybernetischen Modells auf die menschliche Psyche basiert i.w. auf folgende Annahmen:

 

1) Das aktuelle Verhalten und Erleben (Ist-Wert) wird durch das subjektive Selbstbild des Menschen (Soll-Wert) gesteuert.

 

2) Dieses Selbstbild ist normalerweise das Ergebnis der gesamten Lebenserfahrung bzw. deren Interpretation durch das Individuum.

 

3) Ein negatives Selbstbild läßt sich aktiv durch eine Neubewertung der Lebenserfahrung bzw. durch ein Entkonditionieren der mit dem negativen Selbstbild verbundenen Automatismen modifizieren. Die dazu notwendigen

Strategien sind das Bewußtmachen des bisherigen Selbstbildes, dessen Löschung mithilfe von Entspannungstechniken, und die aktive Imagination des neuen positiven Selbstbildes.

 

Die Vermittlung und Anwendung dieser Prinzipien und eine das Vertrauen und die psychische Öffnung und damit die Selbsterkenntnis fördernde echte zwischenmenschliche Beziehung zwischen "Therapeut" und "Klient" machen es möglich, daß letzterer fortan in der Lage ist, sein Leben so zu gestalten, wie es seinen innersten Bedürfnissen und seiner ureigenen Persönlichkeit entspricht. Dabei wird in den Gesprächen auch immer wieder auf z.T. recht schmerzhaft wahrgenommene und daher nur zu gern verdrängte persönlichkeits- oder umweltbedingte reale Gegebenheiten eingegangen - z.B. herrscht in unserem Grüppchen ein recht lebhaftes Interesse am uns letzten Endes alle betreffenden politischen Geschehen -, denn nur durch das rechtzeitige Erkennen von potentiell frustrierenden und das Selbst verletzende Faktoren können sich die adaptiven Fähigkeiten der menschlichen Psyche wirksam entfalten, was sich dann durch die damit zusammenhängenden Erfolgserlebnisse  auch wieder positiv auf das Selbstwertgefühl auswirkt.

 

Das Ziel der Alternativen Psychologie ist die Schaffung einer Persönlichkeit, die ihre Kraft aus sich selbst heraus bezieht und daher keinerlei Konfrontation mit der Außenwelt fürchten muß. Dies wirkt sich selbstverständlich auch auf die Art der zwischenmenschlichen Beziehungen aus, denn damit wird die dem Selbstschutz dienende Abwehrhaltung gegenüber anderen Menschen überflüssig.

 

Die Alternative Psychologie ist nichts Neues an sich, in ihr werden die bereits seit Jahrtausenden in östlichem und westlichem Kulturgut enthaltenen Prinzipien der Menschwerdung lediglich neu aufgegriffen und in die Tat umgesetzt. Auch stellt sie keine neue Form der Therapie dar, ihr Vorgehen läßt sich sowohl in den Techniken der Gesprächtherapie, der Verhaltenstherapie und auch der Psychoanalyse wiederfinden. Und auch die Anwendung des kybernetischen Modells auf die menschliche Psyche ist kein Novum. Das Neue oder Alternative ist vielmehr die Bereitschaft des Ausübenden, sich selbst uneingeschränkt in den therapeutischen Prozeß miteinzubeziehen, was dazu führt, daß sich der Hilfesuchende in seiner ganzen persönlichen Unzulänglichkeit und Verletzbarkeit in seinem Gegenüber wiederfinden kann und damit nicht nur formal an der Lösung seiner Probleme mitbeteiligt wird. So wird ihm die Erfahrung vermittelt, daß er selbst es ist, der sein Leben bestimmt, und daß es, trotz vorangegangener prägender Erlebnisse von ihm selbst abhängt, ob er eine Existenz in psychischer Unfreiheit führt oder aber seine persönlichen Anlagen und Fähigkeiten zu einer für ihn befriedigenden Entfaltung bringt.

 

Vielen mag das hier Dargestellte zu simpel erscheinen, um in einer Fachzeitschrift für Psychologie abgedruckt zu werden, doch nicht immer ist der Grad der Kompliziertheit auch ein Kriterium für Qualität. Auch darin stellt sich das Alternative der Alternativen Psychologie dar: daß nämlich nicht einzusehen ist, weshalb der Umgang mit psychischen Problemen das Privileg einer dafür speziell ausgebildeten Fachelite sein soll (so sehr auch mancher dabei in Gedanken um seinen Arbeitsplatz bangen mag). Die Alternative Psychologie stellt nicht den Anspruch, die bisherige Psychologie überflüssig machen zu wollen, dies wäre wohl zu vermessen. Sie möchte nur endlich einmal ihre - mitlerweile bereits über 10 Jahre währende -Existenz kundtun und vielleicht zur Diskussion anregen, von der evtl. auch die Anwender und Nutznießer der konventionellen Psychologie profitieren könnten.

 

Literatur: (1) MALTZ, M. , Psycho-Cybernetics   Prentice-Hall, 1960



Albert Schweitzer
Der größte Reichtum der Jugend


Der Ausdruck “ reif ”, auf den Menschen angewandt, war mir und ist mir noch immer etwas Unheimliches. Ich höre dabei die Worte Verarmung, Verkümmerung, Abstumpfung als Dissonanzen mir erklingen. Was wir gewöhnlich als Reife an einem Menschen zu sehen bekommen, ist eine resignierte Vernünftigkeit. Einer erwirbt sie sich nach dem Vorbilde anderer, indem er Stück für Stück die Gedanken und Überzeugungen preisgibt, die ihm in seiner Jugend teurer waren. Er glaubte an die Menschen ; jetzt nicht mehr. Er glaubte an das Gute ; jetzt nicht mehr. Er vertraute in die Macht der Gütigkeit und der Friedfertigkeit ; jetzt nicht mehr. Er konnte sich begeistern ; jetzt nicht mehr. Um besser durch die Fährnisse und Stürme des Lebens zu schiffen, hat er sein Boot erleichtert. Er warf Güter ab, die er für entbehrlich hielt. Aber es war der Mundvorrat und der Wasservorrat, dessen er sich entledigte. Nun schifft er leichter dahin, aber als schmachtender Mensch.

In meiner Jugend habe ich Unterhaltungen von Erwachsenen mit angehört, aus denen mir eine das Herz beklemmende Wehmut entgegenwehte. Sie schauten auf den Idealismus und die Begeisterungsfähigkeit ihrer Jugend als auf etwas Kostbares zurück, das man sich hätte festhalten sollen. Zugleich aber betrachteten sie es als eine Art Naturgesetz, daß man das nicht könne.

Da bekam ich Angst, auch einmal so wehmütig auf mich selber zurückschauen zu müssen. Ich beschloß, mich diesem tragischen Vernünftigwerden nicht zu unterwerfen. Was ich mir in fast knabenhaftem Trotze  gelobte, habe ich durchzuführen versucht.

Zu gern gefallen sich die Erwachsenen in dem traurigen Amt, die Jugend darauf vorzubereiten, daß sie einmal das meiste von dem, was ihr jetzt das Herz und den Sinn erhebt, als Illusion ansehen wird.

Die tiefere Lebenserfahrung aber redet anders zu der Unerfahrenheit. Sie beschwört die Jugend, die Gedanken, die sie begeistern, durch das ganze Leben hindurch festzuhalten. Im jugendlichen Idealismus erschaut der Mensch die Wahrheit.



Die Alternative Jugendberatung hat sich schon seit vielen Jahren in extremen Einzelfällen bewährt. Sie beruht z. T. auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, großteils jedoch auf Erkenntnissen und Weisheiten aus verschiedenen Epochen, die ein unverzichtbarer Bestandteil jeder menschlichen Zivilisation sein sollten. Hier nur ein kleiner Ausschnitt davon :


Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder ; dann wurden sie erwachsen. Aber was sind sie nun ? Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.
Erich Kästner

Es gibt kein grausameres Tier als einen Menschen ohne Mitgefühl.
August von Kotzebue
Dramatiker und Schriftsteller
1761 -  1819

Seid immer fähig, bis ins Tiefste jede Ungerechtigkeit zu empfinden, die irgendwo in der Welt irgendjemandem angetan wird.
Che Guevara
In einem Brief an seine Kinder.


Was ist der Mensch ? ………..Wie kommt es, dass so etwas in der Welt ist, das wie ein Chaos gärt oder modert wie ein fauler Baum und nie zu einer Reife gedeiht ?
Friedrich Hölderlin
1770 - 1843

2 Dinge sind unendlich : das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.
Albert Einstein

Man ist dafür da, die Welt zu verändern und nicht, das eigene Leben zu verbessern.
Axel Eggebrecht
Journalist und Schriftsteller
1899  - 1991

( Heusenstammer Stadtpost vom 17.11.2000 )
Menschen in unserer Stadt

Sucht kommt von suchen.
Wer sich findet, braucht keine Droge


Robby Wildgruber und seine Art der Seelenmassage für Jugendliche.

    Heusenstamm ( mcr ) - Ein Jugendlicher ist Robby Wildgruber ….nicht. Aber er kann denken wie einer, wenn er will, kann kommunikative Mauern überspringen, an denen die meisten Erwachsenen abprallen. Wenn die denn das Wagnis überhaupt eingehen, mit einer anderen als der eigenen Generation zu reden. Das Bild von der gleichen Wellenlänge nutzt Wildgruber mit Vorliebe, um seine Art der Seelenmassage zu erklären. Der Heusenstammer beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Jugendlichen, mit ihren allgemeinen und ihren Drogen- und Alkoholproblemen.

    Dabei weicht er gerne von festgestampften, undurchlässigen  und doch oft in traurigem Abstand am Ziel vorbei führenden Wegen der Lehrbuch-Psychologie ab. Große Kinder, deren Sucht-Trott auch die bequemste Psychologen-Couch nicht aufzubrechen vermochte, habe er mit der Alternativen Psychologie, die er gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete, in kürzester Zeit aufgerüttelt, sagt er. Die Probleme beizeiten anzusprechen sei natürlich nötig, aber nicht das einzig Wahre. Schwächen seien viel besser zu überwinden, wenn Stärken in den Vordergrund gestellt werden. Das Medikament Selbsterkenntnis wirke nicht immer sanft, aber es wirke. Wer lerne, sich selbst mit allen Fehlern anzunehmen, könne schlagartig stärker werden.

    Die Fähigkeit, Klischees von uneinsichtigen, nur mit harten Worten beeinflussbaren Jugendlichen nicht abzulegen, sondern erst gar nicht zum Gespräch mitzubringen, geht in Wildgrubers Augen vielen studierten Psychologen ab. Dabei hat er selbst mit ausreichend Problemen zu kämpfen gehabt. Für seine Berufung, wie er es nennt, nicht zwangsläufig ein Nachteil, wenngleich eine harte Schule. Die Aussicht, seinen Seelenmüll vor scheinbar problemlosen Fachleuten abladen zu müssen, mache Jugendliche nicht gerade offener. Das Gefühl, in Wildgruber einen zeitlosen Zuhörer, durch das Leben erfahrenen Berater und einen zu haben, der sich vor Jahren am eigenen Schopfe aus dem Sucht-Sumpf gezogen hat, indes schon. Ein “ Du musst … “ helfe selten, glaubt er. Das sei keine psychologische Verweichlichung, sondern die richtige Art, den Jugendlichen das Leben wieder schmackhaft zu machen, ihnen den Sinn der Selbsthilfe zu eröffnen.

    Robby Wildgruber wurde in Zell / Tirol als Sohn eines Rechtsanwaltes geboren. Nach Schule und Handelsakademie arbeitete er als Hotelkaufmann, um die anschließende Schauspielschule finanzieren zu können. Er geriet in starke Alkoholabhängigkeit, hielt sich lange Zeit mit verschiedensten Jobs über Wasser. Sieben Jahre lang spielte er nach dem Besuch der Schauspielschule an verschiedenen Theatern im In- und Ausland, versuchte seine Alkoholabhängigkeit mit Drogen zu meistern. Ein Irrweg, der ihn auf einen anderen Weg führte, nachdem er seine Sucht überwunden hatte. Er arbeitete mit anderen Ehemaligen in einer Gruppe, die sich um alkohol- und drogengefährdete Jugendliche kümmert, arbeitete als Betreuer in einer Krabbelstube, leitete in Frankfurt eine Wohngemeinschaft mit jungen Haftentlassenen, rief die “ Alternative Jugendberatung “ ins Leben, bei der Albert Schweitzers Gedanken zum größten Reichtum der Jugend im Mittelpunkt stehen. Das brachte ihm einen Platz auf der Vorschlagsliste für die Nominierung zum Alternativen Nobelpreis ein. Dabei will er  “ keine Institutionen ersetzen. Ich will eine Lücke füllen. Sucht kommt von suchen. Wer süchtig ist, der sucht. Man muss herausfinden, was .”

    Wildgruber selbst scheint gefunden zu haben, was er suchte. Am meisten liegt ihm dabei das Schicksal jener Jugendlichen unter 18 Jahren am Herzen, die an einer Welt verzweifeln, “ in der menschliche Werte keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen und die lieber freiwillig aus dem Leben scheiden als sich den so genannten gesellschaftlichen Zwängen unterzuordnen. “ Ihnen vor allem, sagt Wildgruber, wolle er eine Perspektive bieten. …........

    Wer sich für seine Sicht der Dinge interessiert, kann ihn erreichen unter Tel. 06104 / 62227 oder

01512/ 174 09 34 (Telekom D1)

 


 

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Leserbriefe aus der Zeitung ( Frankfurter Rundschau Online )

Ohne Menschlichkeit

Leserbriefe zu: "Das Verbrechen von Amstetten", FR-Panorama vom 30. 4. / 1. 5.2008

Wissen, zuschauen ,Kopf in den Sand stecken

Ein Psychologe sagt, Josef F. habe seine Sexualität nicht im Griff gehabt. Diese Feststellung trifft leider auf einen großen Teil der männlichen Bevölkerung zu - egal in welchem Land -, was zu Perversionen verschiedenster Art führt. Ans Tageslicht kommen diese Verirrungen nur in Extremfällen wie jetzt in Amstetten.

Den geistigen Nährboden für jede Art von Gewalt und Perversion bildet eine weltweit verbreitete falsche Einstellung zum Leben. Wenn echte Menschlichkeit ohne Wenn und Aber praktisch keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt, dann werden Unmenschlichkeiten jedweder Form Tür und Tor geöffnet, wie dies tagtäglich zu beobachten ist. Und die meisten Menschen wissen davon und schauen zu oder stecken den Kopf in den Sand, weil man angeblich ja doch nichts ändern könne.

Das Verhalten bzw. die Blindheit der Nachbarn und Behörden in Amstetten kann niemanden wirklich überraschen, der über eine etwas tiefere Lebenserfahrung verfügt. In einer Welt, die gnadenlos auf rein materialistischen Werten aufbaut, geht das zum Überleben der Menschheit für jedermann unverzichtbare Feingefühl schon in jungen Jahren verloren.

Hervorzuheben ist die Tatsache, dass F. als ein autoritärer, despotischer Mann beschrieben wurde - der trotzdem oder gerade deswegen kein geringes Ansehen besaß.

Robby Wildgruber, Heusenstamm

Veröffentlicht am 02.05.08 FR Online / 03.05.08 Druck



Geistige Orientierungslosigkeit

Das schrille Echo des Schweigens

( SZ vom 3. Mai 2008 )


    Ein Psychologe sagte, Josef F. habe seine Sexualität nicht im Griff gehabt. Doch diese Feststellung trifft leider auf einen sehr großen Teil der männlichen Bevölkerung zu - egal in welchem Land - und führt stets zu Perversionen der verschiedensten Art. Ans Tageslicht kommen diese Verirrungen nur in Extremfällen wie etwa jetzt in Amstetten. Der geistige Nährboden - und darum geht es in erster Linie - für jede Art von Gewalt und Perversion ist eine weltweit verbreitete falsche Einstellung zum Leben.
    Wenn echte Menschlichkeit ohne Wenn und Aber keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt, dann werden logischerweise Unmenschlichkeiten jedweder Form Tür und Tor geöffnet, wie dies tagtäglich zu beobachten ist. Es wäre kaum möglich, die Bestialitäten eines einzigen Tages auch nur in Umrissen aufzuzeigen. Und die meisten Menschen wissen davon und schauen zu oder stecken den Kopf in den Sand, weil man angeblich ja doch nichts ändern könne.
    Das von Holger Gertz geschilderte Verhalten und die Blindheit der Nachbarn und Behörden in Amstetten kann niemanden überraschen, der über eine etwas tiefere Lebenserfahrung verfügt. In einer Welt, die gnadenlos auf rein materialistischen Werten aufbaut, geht das zum Überleben der Menschheit für jedermann unerlässliche Feingefühl schon in jungen Jahren verloren. Die hehren Worte von Moral, Gerechtigkeit, Friedfertigkeit, Zivilisation sind nur hohle Phrasen, die bei geringster Belastung wie Seifenblasen zerplatzen. Bei Katastrophen - ob in Österreich, Belgien, Texas oder anderswo - werden dann wieder und wieder die einfältigen Fragen gestellt:  Warum ? Wie konnte dies geschehen ?
    Hervorzuheben ist, dass Josef F. als ein autoritärer, despotischer Mann beschrieben wurde, der trotzdem oder vielleicht gerade deswegen kein geringes Ansehen besaß. Despoten haben in verschiedenen Positionen stets viel Unheil gebracht, als Politiker sogar Katastrophen ungeheuerlichen Ausmaßes. Dass ein derart herrischer Schaumschläger von niemandem durchschaut werden konnte - nicht einmal von der eigenen Frau - hängt hauptsächlich damit zusammen, dass Menschen prinzipiell nur nach ihrer äußeren Erscheinung beurteilt werden und vor allem an der erschreckenden Obrigkeitshörigkeit, die für jede Art von Diktatur eine wesentliche Voraussetzung ist und in keiner Weise entschuldigt werden kann. 


   Doch letzten Endes wird man aus Fehlern auch weiterhin nichts lernen, denn nicht einmal die Schrecken des Zweiten Weltkriegs haben die Menschen dazu gebracht, echte Lehren daraus zu ziehen. Trotz vieler schöner Erkenntnisse, die bis in die Antike reichen, haben es die Menschen  auch im 21 Jahrhundert nicht geschafft, ihre steinzeitliche geistige Orientierung grundlegend zu ändern. Dabei hätten sie von Kindern sehr  viel lernen können, doch stattdessen wurden diese fehlgeleitet und unterdrückt und vorwiegend Opfer erwachsener Gewalt und scheußlichster Perversitäten. Ein geistiges Armutszeugnis erster Klasse ! Oder : Sodom und Gomorrha ist zu einem globalen Event geworden.


Robby Wildgruber, Heusenstamm


Süddeutsche Zeitung vom 06.Mai 2008
( Veröffentlichter Leserbrief )